Kritische Ersatzteilbevorratung Brechanlage und Meldebestand

Die Diskussion über Ersatzteile beginnt meist mit der falschen Frage: Lager ja oder nein. Beides kostet, einmal als gebundenes Kapital und einmal als stehende Anlage. Die brauchbare Frage lautet, wie viele Stück welches Teils bei welchem Verbrauch und welcher Lieferzeit vorgehalten werden. Die kritische Ersatzteilbevorratung Brechanlage ergibt sich fast von selbst, sobald diese drei Größen der Standzeit der Anlage ohne das Teil gegenübergestellt werden.
Kritikalität klärt sich mit drei Fragen
Ob ein Teil kritisch ist, entscheidet die Folge und nicht der Preis. Erstens: Steht die Anlage bei Ausfall vollständig, sinkt nur die Leistung, oder entsteht lediglich eine Qualitätsabweichung? Zweitens: Wie lang ist die Lieferzeit, und stammt das Teil aus dem Inland oder aus dem Import? Drittens: Ist der Verbrauch stetig oder plötzlich? Ein gleichmäßig verschleißendes Teil lässt sich prognostizieren, ein plötzlich brechendes nur über Wahrscheinlichkeiten beschreiben. Die drei Antworten ordnen jedes Teil einer von vier Gruppen zu: dauerhaft bevorratet, über Meldebestand geführt, bedarfsweise beschafft, gar nicht gelagert.
Kritische Ersatzteilbevorratung Brechanlage: Aufbau des Meldebestands
Der Meldebestand ist die Menge, bei deren Unterschreiten bestellt werden muss, und besteht aus zwei Teilen: dem während der Lieferzeit erwarteten Verbrauch zuzüglich des Sicherheitsbestands. Der erwartete Verbrauch ist das Produkt aus mittlerem Verbrauch und Lieferzeit. Der Sicherheitsbestand fängt Schwankungen ab und hängt vom gewählten Servicegrad ab: Er ergibt sich aus dem zugehörigen Faktor, der Standardabweichung des Bedarfs und der Wurzel der Lieferzeit.
Rechenbeispiel: 4 Stück je Monat, drei Monate Lieferzeit
Betrachtet sei ein Verschleißteil mit einem mittleren Verbrauch von 4 Stück pro Monat, drei Monaten Lieferzeit und einer monatlichen Standardabweichung von 1,2 Stück. Der erwartete Verbrauch über die Lieferzeit beträgt 12 Stück, der Sicherheitsbestand richtet sich nach dem Servicegrad.
| Angestrebter Servicegrad | Faktor | Sicherheitsbestand (Stück) | Meldebestand (Stück) |
|---|---|---|---|
| 90 % | 1,28 | 2,7 | 14,7 |
| 95 % | 1,65 | 3,4 | 15,4 |
| 97,5 % | 1,96 | 4,1 | 16,1 |
| 98 % | 2,05 | 4,3 | 16,3 |
| 99 % | 2,33 | 4,8 | 16,8 |
Die eigentliche Aussage der Tabelle wird leicht übersehen. Der Sprung vom Servicegrad 90 auf 99 Prozent verdoppelt den Sicherheitsbestand nahezu, hebt den Meldebestand aber nur um zwei Stück. Hohe Servicegrade sind bei langen Lieferzeiten also günstiger als vermutet; teuer ist die Lieferzeit selbst.
Der wirksame Hebel ist die Lieferzeit
Die Lieferzeit steht zweimal in der Rechnung: linear im erwarteten Verbrauch und unter der Wurzel im Sicherheitsbestand. Eine Verkürzung von drei Monaten auf sechs Wochen liefert denselben Servicegrad mit etwa halbem Bestand. Der Weg dorthin führt nicht über größere Bestellmengen. Rahmenverträge mit reservierten Fertigungsplätzen, Konsignationsvereinbarungen für Schnelldreher und die vorab abgeschlossene technische Freigabe verkürzen die Zeitachse spürbar. In vielen Betrieben entfällt ein erheblicher Teil der Lieferzeit auf Freigaben und Transportorganisation, nicht auf die Fertigung.
Ohne Verbrauchsdaten kein Bestandskonzept
Fehlen Verbrauchsaufzeichnungen, wird aus der Rechnung eine Schätzung. Der nötige Datensatz ist kurz: Wechseldatum, bis dahin verarbeitete Tonnage und Wechselgrund. Über ein Jahr geführt, lässt sich die Standzeit in Tonnen statt in Stunden ausdrücken, und der Verbrauch folgt unmittelbar aus dem Produktionsprogramm. Dieselbe Aufzeichnung trennt außerdem eine früh ausgefallene Charge von einer mit normaler Lebensdauer.
Die Standzeit in Stunden statt in Geld bewerten
Belastbar wird die Einstufung erst, wenn für jedes Teil eine einzige Zahl notiert ist: wie viele Stunden die Anlage ohne dieses Teil stillsteht. Gemeint ist nicht die Lieferzeit, sondern die Zeit bis zur Wiederaufnahme der Produktion, gegebenenfalls über lokale Fertigung oder eine Behelfslösung. Für einen Brechmantel misst sich das in Wochen, für einen Riemen in Stunden. Nebeneinander geschrieben sortiert sich die Liste von selbst, und die Diskussion verlagert sich von der Preisfrage hin zur Stillstandsfolge.
Was nicht ins Lager gehört
Unkritische, kurzfristig beschaffbare Teile mit unregelmäßigem Verbrauch verwandeln das Lager langsam in totes Kapital. Umgekehrt ist eine Meldebestandsrechnung sinnlos für ein Einzelstück, dessen Ausfall die Anlage sofort stoppt; es wird als Versicherungsbestand gehalten und am Tag der Verwendung nachbestellt. Die Lagerliste entsteht aus den eigenen Stillstandsfolgen und nicht aus dem Katalog Ersatzteile. Lieferantenauswahl und Vertragsbedingungen sind unter Einkauf und Beschaffung weitergeführt.
Häufige Rückfragen
Welchen Servicegrad soll man wählen?
Einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht. Teile, die die Anlage stoppen, rechtfertigen einen hohen Grad; Teile, die nur Leistung kosten, einen niedrigeren.
Wie oft wird der Meldebestand überprüft?
Immer dann, wenn Verbrauch oder Lieferzeit sich ändern. Eine quartalsweise Durchsicht verhindert die meisten Überraschungen in der Saison.
Ist Konsignation immer vorteilhaft?
Nein. Sinnvoll ist sie bei hohem, stetigem Verbrauch. Bei einem einmal jährlich benötigten Teil verlagert sie nur Kosten und kommt über den Preis zurück.
Senden Sie uns Ihre Teileliste und die Wechselaufzeichnungen der letzten zwölf Monate; wir erarbeiten Kritikalitätsklassen und Meldebestände anhand Ihrer eigenen Verbrauchszahlen.
Definitionen technischer Begriffe: Glossar




