Lastenheft Brechanlage erstellen

Wenn Angebote für eine Brech- und Siebanlage nicht vergleichbar sind, liegt das selten an den Anbietern. Es liegt an dem Dokument, das der Käufer verschickt hat. Ein Lastenheft Brechanlage erstellen heißt nicht, eine Maschinenliste zu schreiben: Das Dokument legt fest, welches Material mit welcher Stundenleistung in welche Körnungen zerlegt wird und wie das später auf der Baustelle nachgewiesen wird. Fehlen diese Punkte, kalkuliert jeder Anbieter seine eigenen Annahmen und der Vergleich verliert seinen Sinn.
Ergebnis beschreiben statt Lösung vorgeben
"Ein Backenbrecher und ein Dreidecksieb" ist eine Lösung. "Einhundert Tonnen Basalt je Stunde, getrennt in vier verkaufsfähige Körnungen" ist ein Ergebnis. Nur wer das Ergebnis beschreibt und den Verfahrensweg dem Anbieter überlässt, kann zwei technisch unterschiedliche Konzepte nebeneinanderlegen und nach Kosten je Tonne bewerten statt nach der Anzahl der Maschinen.
Erster Abschnitt: das Gestein beschreiben
Standzeit der Verschleißteile und Energiebedarf werden vom Aufgabegut bestimmt, nicht vom Typenschild. Der erste Teil des Dokuments muss das Material deshalb in messbaren Größen fassen.
Materialangaben, die jeder Anbieter braucht
- Gesteinsart und Schüttdichte im anstehenden Zustand.
- Zerkleinerungswiderstand als Bond-Arbeitsindex in kWh/t. Damit lässt sich die Nettoenergie abschätzen, die für den Weg von einer bestimmten Aufgabekörnung zur geforderten Produktkörnung nötig ist.
- Abrasivität als Bond-Abrasionsindex. Diese Kennzahl sagt nichts über die Antriebsleistung, sondern über den Verschleißteileverbrauch.
- Widerstand gegen Zertrümmerung nach dem Los-Angeles-Verfahren gemäß EN 1097-2 sowie, wenn die Kornform vertraglich relevant ist, die Plattigkeitskennzahl nach EN 933-3.
- Feuchte sowie Ton- und Mutterbodenanteil. Klebriges Aufgabegut bringt einen für trockenes Gestein gerechneten Verfahrensweg zum Erliegen.
Liegen diese Werte nicht vor, gehören keine Schätzungen ins Dokument. Eine Klausel, nach der der Lieferant vor dem Einfrieren der Auslegung eine repräsentative Probe untersucht, ist deutlich billiger als eine selbstbewusst notierte falsche Zahl.
Lastenheft Brechanlage erstellen: Leistung und Körnung formulieren
Leistung ist nie eine einzelne Zahl. Stundenleistung, tägliche Betriebszeit und angestrebte Verfügbarkeit gehören in getrennte Zeilen, denn 100 t/h bedeuten bei zehn Betriebsstunden etwas völlig anderes als bei zwanzig. Auch die Körnungen sollten mit prozentualen Anteilen gefordert werden, weil dieselbe Gesamtmenge über sehr unterschiedliche Siebkonfigurationen erreichbar ist.
Zwei Auslegungsregeln lassen sich direkt in den Text übernehmen: Das größte Stück im Aufgabegut sollte etwa achtzig Prozent der Einlauföffnung nicht überschreiten, und eine einzelne Backenstufe wird üblicherweise um ein Zerkleinerungsverhältnis von 6:1 herum ausgelegt. Wird deutlich mehr Reduktion verlangt, ist die Antwort eine Sekundär- und Tertiärstufe, nicht ein größerer Primärbrecher.
| Punkt im Lastenheft | General 640 | General 800 | General 950 |
|---|---|---|---|
| Maximale Aufgabegröße | 500 mm | 600 mm | 800 mm |
| Kapazität | 40-70 t/h | 80-120 t/h | 120-180 t/h |
| Ausgangsgrößeneinstellung | 0-100 mm | 0-100 mm | 0-100 mm |
| Standard-Endkörnungen | 0-5, 5-12, 12-19 mm | 0-5, 5-12, 12-19, 19-40 mm | 0-5, 5-12, 12-19 mm |
| Generator (optional) | 300 kVA | 450 kVA | 600 kVA |
Die Tabelle zeigt, wie aus abstrakten Forderungen konkrete Zahlen werden; die ausführliche Kapazitätswahl ist Gegenstand eines eigenen Leitfadens.
Mechanik, Elektrik und Steuerung
Hierher gehört alles Messbare: Leistung und Schutzart der Hauptantriebe, Stahlgüte des Rahmens und geforderte Schweißnahtbewertungsgruppe, Werkstoff und Nennstärke der Verschleißteile, Schmierungsart, Anschlusspunkte für die Staubbekämpfung, Schaltschrankspannung und Einspeisung. Auf der Steuerungsseite sind zwei Punkte unverzichtbar: die verriegelte Start-Stopp-Reihenfolge und eine Not-Halt-Kette, die die gesamte Anlage umfasst und nicht nur einzelne Maschinen.
Abnahmekriterien, der meistvergessene Abschnitt
Eine Forderung ist nur durchsetzbar, wenn im selben Dokument steht, wie sie gemessen wird. Für jede zugesicherte Größe sind drei Fragen zu beantworten: welche Prüfung, unter welchen Bedingungen, und innerhalb welcher Grenze gilt das Ergebnis als angenommen. Dauer des Leistungsnachweises, Entnahmestelle der Siebprobe, getrennte Leerlauf- und Lastlaufzeiten sowie die Rechtsfolge bei Unterschreitung stehen in diesem Abschnitt.
Lieferumfang und Dokumentation
Der Schlussteil trennt, was im Preis enthalten ist, von dem, was nicht enthalten ist: Verladeart, Montage und Inbetriebnahme, Bedienerschulung, empfohlener Ersatzteilsatz für das erste Betriebsjahr, Gewährleistungsdauer und ausdrückliche Ausschlüsse. Daneben steht die Dokumentenliste: Montagezeichnungen, Stromlaufpläne, Verschleißteilnummern, Wartungsanleitung und Konformitätserklärung.
Häufige Fragen
Schreckt ein detailliertes Dokument Anbieter ab?
Nicht, wenn es ergebnisorientiert formuliert ist. Abschreckend wirken Texte, die die Typenbezeichnungen eines einzigen Herstellers übernehmen und den Lieferanten damit faktisch vorwegnehmen.
Lässt sich Leistung ohne Materialprüfung zusichern?
Nur bedingt. Ohne Prüfdaten muss die Abnahmeklausel an eine Probe aus der tatsächlichen Lagerstätte gebunden werden.
Gehören Ersatzteilpreise schon in die erste Runde?
Ja. Ohne Stückpreise und erwartete Standzeiten der Verschleißteile lassen sich zwei Angebote betriebswirtschaftlich überhaupt nicht vergleichen.
Steht der Entwurf, prüft man ihn am schnellsten gegen reale Maschinendaten; weitere Beiträge unter Einkauf und Beschaffung behandeln Angebotsbewertung und Vertragsphase.
Definitionen technischer Begriffe: Glossar




