Brecher Schmierplan und Fettauswahl

Warum Brecher Schmierplan und Fettauswahl ein eigenes Blatt brauchen
Brecher Schmierplan und Fettauswahl stehen eine Ebene über dem Rundgang zu Schichtbeginn. Der Rundgang fragt, ob eine Schmierstelle bedient wurde. Der Plan legt fest, welches Produkt in welcher Menge, in welchem Abstand und in welchem Temperaturfenster eingebracht wird. In Brechanlagen entsteht ein erheblicher Teil der Lagerschäden nicht durch eine vergessene Stelle, sondern durch das falsche Produkt oder die falsche Menge an der richtigen Stelle. Das Dokument beantwortet daher drei Fragen: was, wie viel, wie oft.
Fett ist ein Paket, keine Einzeleigenschaft
Ein Fett trägt einen Handelsnamen, besteht aber aus drei zusammenwirkenden Bestandteilen: dem Verdicker, der die Konsistenz bestimmt, dem Grundöl, das die Last tatsächlich trägt, und den Additiven für den jeweiligen Einsatzfall. Zwei richtige Bestandteile gleichen einen falschen nicht aus.
Konsistenzklasse
Die Konsistenz wird über die NLGI-Skala beschrieben. Klasse 2 ist die Standardwahl für den überwiegenden Teil allgemeiner Wälzlagerarbeit: Sie lässt sich von Hand und über Zentralschmieranlagen fördern und bleibt im Gehäuse, wo sie zugleich als Barriere gegen Staub wirkt. Weichere Klassen fließen bei niedriger Temperatur und höherer Drehzahl leichter, steifere Klassen halten sich bei langsam laufenden, hoch belasteten oder senkrechten Anordnungen zuverlässiger.
Verdicker und Tropfpunkt
Der Tropfpunkt ist die Temperatur, bei der ein Fett seine Struktur verliert und zu fließen beginnt. Er ist ein Qualitätsmerkmal und keine Dauergebrauchsgrenze; die Maschine läuft immer deutlich darunter. Lithiumkomplex-Verdicker liefern einen hohen Tropfpunkt und sind im Brechbetrieb weit verbreitet. Wo Wassereintrag dominiert, etwa an Waschlinien, treten Calciumsulfonatkomplex-Produkte in den Vordergrund. Das Mischen unterschiedlicher Verdickerfamilien kann die Konsistenz zusammenbrechen lassen, deshalb wird beim Produktwechsel das Gehäuse entleert und gereinigt statt über die alte Füllung nachgefüllt.
Additive
Brecherlager arbeiten unter Stoßlast. Hochdruckadditive bilden einen Opferfilm auf der Metalloberfläche und halten die Rauheitsspitzen getrennt, wenn der Ölfilm dünn wird. EP-Produkte sind in dieser Anwendung deshalb der Normalfall und keine Zusatzausstattung.
| Eigenschaft | Übliche Wahl | Entscheidende Frage |
|---|---|---|
| Konsistenzklasse | NLGI 2 | Wie hoch ist die Drehzahl, Welle waagerecht oder senkrecht? |
| Verdicker | Lithiumkomplex | Wie warm wird das Gehäuse, ist Wasser im Spiel? |
| Additivpaket | Hochdruck (EP) | Wirkt die Last gleichmäßig oder stoßartig? |
| Grundölviskosität | Wert aus dem Maschinenhandbuch | Wie groß sind Drehzahl und mittlerer Lagerdurchmesser? |
| Tropfpunkt | Deutlich über Betriebstemperatur | Welche Temperatur erreicht das Gehäuse im Sommer? |
Intervall und Menge festlegen
Das Intervall ergibt sich aus dem Lager, nicht aus dem Kalender. Maßgeblich ist der Drehzahlkennwert: Wellendrehzahl multipliziert mit dem mittleren Lagerdurchmesser, wobei dieser der Hälfte der Summe aus Bohrung und Außendurchmesser entspricht. Je größer dieses Produkt, desto stärker erwärmt sich das Fett, desto kleiner fällt die Füllmenge aus und desto kürzer wird das Intervall. Die meisten Brecher- und Aufgeberlagerungen liegen im Bereich, in dem Fettschmierung bequem ausreicht; schneller laufende Anordnungen verlangen weichere Konsistenz und kleinere Dosen.
Die Menge wird als Anteil des freien Gehäusevolumens angegeben. Bei waagerechten Standardanordnungen wird etwa ein Drittel bis die Hälfte dieses Volumens gefüllt, mit steigender Drehzahl eher am unteren Ende. Die Begründung ist einfach: Es muss so viel freies Volumen bleiben, dass die Wälzkörper nicht dauerhaft überschüssiges Fett durchkneten.
| Drehzahlkennwert (Drehzahl × mittlerer Durchmesser) | Geeignetes Verfahren | Tendenz bei Füllung und Intervall |
|---|---|---|
| unter 300.000 | Standardfett NLGI 2 | etwa halbes freies Volumen, planbares Intervall |
| 300.000 - 500.000 | weichere Klasse, niedrigere Grundölviskosität | kleinere Dosis, kürzeres Intervall |
| über 500.000 | Umlaufschmierung oder Öl-Luft statt Fett | Fett nicht mehr zuverlässig |
Überschmierung kostet so viel wie Mangelschmierung
Wer in ein volles Gehäuse weiterpumpt, erzeugt drei getrennte Schäden. Erstens Walkwärme: Die Wälzkörper schieben überschüssiges Fett vor sich her, die innere Reibung steigt und mit ihr die Temperatur. Zweitens die von dieser Wärme beschleunigte Alterung, denn das Grundöl tritt vorzeitig aus und der Verdicker verhärtet zu Ablagerungen, die genau die Wege verstopfen, die frisches Fett nehmen muss. Drittens Dichtungsschaden, denn sobald die Füllung keinen Platz mehr findet, kann der Druck einer Fettpresse eine Dichtung aus ihrem Sitz drücken; von diesem Moment an steht das Gehäuse dem Staub offen. Bei einem warm laufenden Lager reflexhaft zur Fettpresse zu greifen vergrößert deshalb meist genau das Problem, das damit behoben werden sollte.
Den Plan mit Aufzeichnungen belegen
Ein nicht aufgeschriebener Plan ist kein Plan. Ein Blatt je Maschine führt für jede Stelle Produktname, Dosis, Intervall und letzte Anwendung, dazu einen Vermerk, wenn ein Produktwechsel das Entleeren des Gehäuses erforderte. Bei Zentralschmieranlagen gehören Pumpendruck und Leitungsalarm auf dasselbe Blatt. Wo so gearbeitet wird, wird der Verbrauch an Ersatzteilen vorhersehbar, und erst Vorhersehbarkeit macht Lager- und Stillstandsplanung möglich. Das übergreifende Thema ist unter Wartung und Verschleiß zusammengefasst.
Häufige Fragen
Dürfen zwei Marken gemischt werden?
Entscheidend ist die Verdickerfamilie, nicht das Etikett. Produkte mit gleichem Verdicker vertragen sich meist; unterschiedliche Familien können die Konsistenz der Mischung zusammenbrechen lassen. Im Zweifel spülen und reinigen.
Ein Lager läuft warm. Nachfetten?
Zuerst Füllstand und Dichtungszustand prüfen. Wärme deutet häufiger auf zu viel Fett oder eine defekte Dichtung hin als auf zu wenig.
Braucht es im Sommer und Winter unterschiedliche Produkte?
Bei stark schwankender Umgebungstemperatur werden Grundölviskosität und Konsistenzklasse saisonal überprüft; Grundlage ist das Temperaturfenster im Maschinenhandbuch.
Definitionen technischer Begriffe: Glossar




